Yoga und Meditation: entspannt und produktiv im Homeoffice

Experteninterview: Tanja Seehofer erklärt wie Yoga, Meditation und Entspannung zu mehr Produktivität im Homeoffice beitragen kann

Arbeitnehmer*innen im Homeoffice können trotz der zahlreichen Vorteile, die das Homeoffice mit sich bringt, unter Anspannungen stehen und unausgeglichen sein. Zudem neigen Beschäftigte im Homeoffice häufig dazu, sich weniger zu bewegen als im Büro. Für viele bieten Yoga und Meditation da eine Lösung. Tanja Seehofer ist Yoga- und Mentalcoach. Als Achtsamkeits-Trainerin mit dem Schwerpunkt Burnout Prävention leitet sie zudem Workshops, Retreats und Ausbildungen. Unsere Fragen rund um das Thema Yoga, Meditation und Entspannung im Homeoffice hat sie im Interview beantwortet.

JustHomeoffice: Frau Seehofer, wieso sollten Yoga und Meditation überhaupt Themen im Homeoffice sein?

Tanja Seehofer: Etwa ein Viertel der Berufstätigen sitzt mittlerweile im Homeoffice. So fällt in diesen besonderen Zeiten bereits der tägliche Arbeitsweg wie auch manch geliebte Sport- und Freizeitaktivität weg. Die Gefahr hierbei ist bereits der Bewegungsmangel. Er beeinträchtigt z.B. die Entgiftung des Körpers. Jede Körperzelle – vor allem die Gehirnzellen – ist auf ausreichende Zufuhr von Sauerstoff angewiesen. Yoga und Meditation sind am „neuen Arbeitsplatz“ besonders gut geeignet, sie können dabei unterstützen physisches und psychisches Wohlbefinden zu erhalten und zu stärken. Auch hat Homeoffice den Vorteil, dass man vollkommen flexibel und unabhängig sein kann beim üben.

Welche Beschwerden werden am häufigsten durch falsche Arbeitsplatzgestaltung im Homeoffice ausgelöst?

Viele Menschen wandeln ihr Zuhause zum Büro um. So wird der niedrige Couchtisch zum Bürotisch, das Schlafzimmer zum Besprechungsraum. Die Zahl der Menschen mit Rückenschmerzen, Schulter- und Nackenverspannungen, Kopf- und Augenschmerzen, Schlafproblemen, Konzentrationsstörungen und Müdigkeit nimmt zu. In vielen Firmen gibt es Arbeitssicherheitsbeauftragte; diese beurteilen, ermitteln und gestalten einen gesundheitsgerechten Arbeitsplatz. Dies fehlt nun Zuhause vollkommen. Sitzen ist das neue Rauchen und stellt für unsere Wirbelsäule eine sehr ungünstige Haltung dar. Nach einer Studie sitzt ein Erwachsener in Deutschland ca. 11,5 Stunden auf dem Stuhl, im Auto oder auf der Couch. Eine 14-jährige Beobachtungsstudie an 120.000 US-Amerikanern zeigt: Die Sterberate von Männern, die täglich 6 oder mehr Stunden sitzen, liegt 20% über jener der bis-zu-3-Stunden-Sitzer. Bei Frauen beträgt der relative Unterschied sogar 40%.

Wie können Yoga und Meditation die mentale Gesundheit beeinflussen?

Man sagt, ein Mensch hat täglich rund 60.000 Gedanken, davon sind nur 3 Prozent konstruktiv und nützlich. 25 Prozent sind destruktiver Natur, sie schaden einem selbst und anderen. 72 Prozent sind unbedeutende, flüchtige Gedanken, die aber dennoch nicht ohne Wirkung bleiben. Dies klingt alarmierend! Egal, ob auf körperlicher oder geistiger Ebene: Yoga und Meditation bringt Reinigung und Klarheit. Ein flexibler Geist ist gefragt, wenn wir uns nicht im Werten und Bewerten verstricken wollen. Ein Urprinzip lautet „Gedankenkraft schafft Wirklichkeit“. Buddhistische Mönche sind angesehen für ihre emotionale Stabilität, positives Denken und frohes Gemüt. Die positiven Effekte der Meditation sind wissenschaftlich nachgewiesen, denn regelmäßiges Üben beeinflusst unser Immunsystem und verändert das Gehirn positiv.

Inwiefern hilft Yoga und Meditation bei der Stressbewältigung

Stress schwächt das Immunsystem – er kann u.a. zu Burnout, Depression, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Bluthochdruck führen. Der häufigste Nutzen von Yoga und Meditation liegt, laut zahlreichen Forschungen, den Stress zu reduzieren. Intuition und Körperwahrnehmung werden geschult. Im Alltags- und Berufsstress nimmt man oft das Gefühl für den eigenen Körper gar nicht mehr wahr. Man übergeht die eigenen Bedürfnisse und merkt nicht mehr, wenn etwas nicht stimmt. Beim Yoga (besonders beim Yin Yoga) und während der Meditation nimmt man den Körper von Moment zu Moment wahr. Man wird zum Zuschauer und beobachtet vor allem die Körperwahrnehmungen. Dadurch verbessert sich automatisch die Tiefensensibilität, das Körpergespür. Wir üben uns in Geduld und in der Selbstbeobachtung. So ist erfahrbar, wo wir uns gerade unter- oder überfordern. Diese Sichtweise hilft uns auch im Alltag und Berufsleben, mit unangenehmen Gefühlen und Empfindungen anders umzugehen als bisher.

Welche Übungen helfen bei Schulter- und Nackenproblemen?

Ich empfehle hier besonders folgende Asanas (Yogaübungen): Adlerarme, Armdehnung, Nackenseitdehnung, Schultern kreisen, Schultern hochziehen und fallen lassen, Schulterbrücke, Delfin, stehende Vorbeuge, Stellung des Kindes, Entspannen.

Wie oft und wie lange sollte man die Übungen absolvieren?

Die Übungen können je nach Bedürfnis natürlich täglich praktiziert werden. Man sollte nichts übertreiben. Wichtig ist, sich bewusst Zeit für sich und die Übungen zu nehmen. Mein Motto: Entspannung geht vor Perfektion.

Wann ist die beste Zeit um Übungen zu machen?

In der traditionellen Unterrichtsform mancher Yogastile wird idealerweise vor, bzw. zum Sonnenaufgang geübt. Yoga am Morgen schenkt eine bewusstere Körperhaltung, fördert die Beweglichkeit und macht geschmeidig. Meditation am Morgen fördert einen klaren, zentrierten Geist und man kann sich besser konzentrieren. Yoga und Meditation ermöglichen, die eigenen Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen besser zu verstehen und entwickeln mehr Achtsamkeit für den Alltag, dies bringt eine ergänzende Form von Intelligenz.

Jedoch ist nun der Vorteil beim „Homeoffice“, dass man jederzeit eine kleine Pause einbauen kann, am besten bevor es zu viel wird. Nach jeder Stunde, oder neuen Aufgabe ist es bereits sehr wertvoll eine kleine Atempause, 3 Minuten Anapana (Atembeobachtung), eine Übung für die Augen, ein, zwei tiefe und geräuschhafte Seufzer, oder eine kurze Achtsamkeitsübung durchzuführen. In der Mittagspause ist es möglich eine kurze Yogasequenz einzubauen, je nach Zeit 30, 20, 10 Minuten. Eine Yogaübungseinheit muss nicht immer gleich 60 oder gar 90 Minuten dauern, bereits eine 10 Minuten Yoga bringt sehr viele Vorteile und tut einfach gut!

Auch beim meditieren muss man es nicht übertreiben. 3 Minuten täglich zur gleichen Zeit hat bereits eine sehr positive Wirkung. Wichtig ist hier jedoch die Regelmäßigkeit und tägliche Routine. Denken wir an den Pawlow’schen Hund.

Was kann ich darüber hinaus noch gegen Verspannungen tun?

Gegen Verspannungen helfen mir persönlich meist folgende Möglichkeiten: Wärme, Sauna, Massage, Akupunktur, Yoga Nidra, Bewegung, Spaziergänge in der Natur, auch im Alltag auf die richtige Körperhaltung achten, mehr Pausen (dazwischen) einbauen, sich selbst mehr Raum und Zeit schenken.

Kann man Rückenschmerzen durch Übungen auch vorbeugen?

Yoga ist eine der wenigen Bewegungsformen, die alle Bewegungsrichtungen der Wirbelsäule mit einbindet und ausgeglichen (symmetrisch, also auf beiden Seiten gleichermaßen) geübt wird. Dadurch können mithilfe von Yoga auch einseitige Belastungen ausgeglichen werden, Rückenschmerzen werden vorgebeugt.

Wenn Faszien verklebt oder entzündet sind (dies geschieht u. a. durch Verspannungen, Stress, durch zu wenig oder durch einseitige Bewegung –darüber hinaus werden sie im Alter unelastischer), können sie Beschwerden wie z.B. Rückenschmerzen verursachen, da in den Faszien ein großer Anteil aller Rezeptoren des Nervensystems liegen. Ein intaktes Bindegewebe ist die Grundlage für die Wahrnehmung unserer Körperbewegungen. Ganz besonders empfehle ich hier Yin Yoga um die Faszien feucht, agil und somit gesund zu halten.

Ich empfehle hier folgende aktiven Asanas: Katze-Kuh, alle Arten von Drehungen , Heuschrecke, Cobra, stehende Vorbeuge, aber vor allem Yin Yoga Übungen im Allgemeinen. Hier erfreuen sich die Faszien aller Übungen.

Gibt es Möglichkeiten auch die Augen zu entlasten?

Es gibt durchaus auch Yogaübungen für die Augen, z.B. die Sehschärfenverlagerung oder Bewegungsübungen der Augäpfel. Ebenso entspannen und tanken die Augen auf, wenn die Hände aufgelegt werden, möglichst nachdem man diese zuvor aneinander reibt und somit erwärmt. Aber besonders wichtig für die Augen sind genügend
Ruhepausen und ein guter, gesunder Schlaf, denn sind die Augen geschlossen, entspannt sich die Augenmuskulatur und die Sehfähigkeit erholt sich. Bei zu viel Bildschirmarbeit können sie austrocknen und Stress hat sogar Auswirkungen auf die Sehkraft. Wichtig sind hier auch Übungen gegen Schulter- und Nackenverspannungen, denn diese können sich auch positiv auf die Augen auswirken.

Können sich Sorgen auch auf das körperliche Wohlbefinden auslösen?

Es ist kein Geheimnis, dass Körper, Geist und Seele eng miteinander verbunden sind. Das Wort Psychosomatik setzt sich aus beiden Teilen zusammen: (Psyche) Seele/Geist und Soma (Körper). Wenn wir unseren Geist vergiften, vergiften wir auch unsere Organe: Ärger verletzt die Leber, Angst schädigt die Nieren, Sorgen belasten das Chi der Milz, Trauer belastet die Lungen und die falschen Freude können das Herz überlasten. Unser Herz kann blind, taub und träge sein. Es kann gefühllos, dumpf, hochmütig sein und sich ganz verschließen. Somit sollten wir die vielen Qualitäten des Herzens besonders wichtig nehmen. Wenn wir allerdings zu sehr im Kopf verankert sind, schwächen wir diese Herz-Qualitäten und damit auch unsere Mitte. Denken ist im besten Fall produktiv, wenn wir aber zu viel grübeln und uns sorgen, erschöpft es unsere Mitte.

Wie sieht es mit der Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Yoga im Homeoffice aus?

Wie bereits beschrieben kann man Yoga sehr gut im Homeoffice einbauen. Man kann sich nach einer getanen Aufgabe mit einer kurzen Atem- oder Achtsamkeitsübung belohnen. Mehrmals am Tag, wenn es gut tut oder Morgens, Mittags, Abends Yoga und/oder Meditation praktizieren, kann helfen besser mit aktuellen Stresssituationen umzugehen. Optimal wäre hierfür natürlich ein ruhiger und ungestörter Ort, der wenig Ablenkung bringt.

Was für Formen und Arten von Kursen werden online angeboten?

Es gibt mittlerweile sehr viele verschiedene Online Anbieter (in allen Sprachen) mit allen Yogaarten im Angebot. Es ist immer eine individuelle Entscheidung für welche Plattform oder welchen Yoga Stil man sich entscheidet. Online Yoga Studios liegen voll im Trend. Es gibt jedoch einige Kriterien, die man beachten sollte: gibt es für den Anfang kostenlose Schnupperstunden, welche Lehrer, welche Stile, für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet, ist das Abo einfach kündbar, wie hoch sind die Mitgliedkosten, gibt es 10, 20, 30, 60 minütige Yogasequenzen,…

Ich persönlich bin als Lehrer bei Yogaeasy mit meinen Yin Yoga (& DJAYA Yoga & 432 Hz Soundhealing) Videos erlebbar. Es gibt einen Monat Gratis Online Yoga über diesen Gutschein: https://www.yogaeasy.de/coupon/tanja-seehofer? oder auch auf unserem DJAYA Youtube-Kanal gibt es einige kostenlose Yin Yoga Videos: https://www.youtube.com/channel/UCCweUL-zMuWawzuYycAjd3Q.
Ansonsten bieten viele Yogastudios oder auch einzelne Yogalehrer ein Hybrid Programm an. Hier wird das live Yoga Programm parallel auch Online angeboten. Dies bietet jedoch weniger Flexibilität, da man zeitlich an die Stunden gebunden ist.

Wie könnten Arbeitgeber Aktionen für mehr körperliche Betätigung im Homeoffice einbauen?

Die Arbeitgeber könnten z.B. mit einem Yogastudio, Yogalehrer, oder einem Online Yoga Studio ein günstiges Abo für ihre Mitarbeiter vereinbaren. Dies biete ich selbst auch an, nach umfangreichen Online Erfahrungen im Bereich Yoga-Ausbildung, Yoga Unterricht oder auch Aufklärung und Coaching

Ebenso könnten Firmen Online Präsenzveranstaltungen zu Gesundheitsthemen anbieten, die jederzeit auch abgerufen werden können. Ich habe von vielen live Zoom-Meetings aller Art gehört, die sehr gut angekommen sind.

Tanja Seehofer

Yin Yoga München

Inhaberin und Geschäftsführerin
Yoga- und Mentalcoach, Achtsamkeits-Trainerin mit dem Schwerpunkt Burnout Prävention
www.tanjaseehofer.de und www.djayayoga.de


Über Tanja Seehofer

Tanja Seehofer ist Bewusstseinsforscherin, Dipl. Mentalcoach, Humanenergetikerin, und zertifizierte Fascial Fitness Trainerin. Ihre Reise auf dem Yoga-Pfad begann 1995. Sie machte Yoga zu ihrer Lebensphilosophie und absolvierte u.a. bei AIRYOGA München die Ausbildung zur 500 Stunden Yogalehrerin.

Als Yoga- und Mentalcoach, als Achtsamkeits-Trainerin mit dem Schwerpunkt Burnout Prävention leitet sie Workshops, Retreats und Ausbildungen (Live und Online) weltweit. Zudem ist die Autorin von vier erfolgreichen Yogabüchern und schreibt ihre Kolumne für das Online-Magazin “Lebe-Liebe-Lache”. Ebenso moderiert sie für “Mystica.TV” die Sendung “Dein-Sechster-Sinn”. Am Filmset berät sie bei Dreharbeiten als Yogacoach.

Um in YinYoga reinschnuppern zu können stellt Tanja Seehofer Ihnen einen kostenlosen Gutschein für die Onlineseite „YogaEasy“ (1 Monat kostenlos Yoga üben) bereit: https://www.yogaeasy.de/coupon/tanja-seehofer

Hier geht’s zum YIN YOGA Video von Tanja Seehofer und Yann Kuhlmann: https://youtu.be/P773p5cm7xQ

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