Studien zu Homeoffice

Im Zuge der Corona-Pandemie ist das Arbeitskonzept des Homeoffices fest für viele deutsche Arbeitnehmer*innen in den Berufsalltag integriert worden. Da das Arbeitskonzept bis dato noch als wenig verbreitet galt, gab es dementsprechend kaum Studien über die Konsequenzen von Homeoffice für Arbeitnehmer*innen. Ebenso wenig gab es etwas über Vor- und Nachteile. Dies hat sich nach über einem Jahr der Pandemie geändert. Aufgrund dessen wollen wir kurz und prägnant die wichtigsten Studien über die Arbeit von Zuhause vorstellen.

Studien zur Homeoffice-Nutzung während der Corona-Pandemie

Studie zur Verteilung der Arbeitnehmer*innen im Homeoffice während der Pandemie

Die erste Studie, welche wir vorstellen wollen, beschäftigt sich mit dem Anteil der Befragten, welcher während der Corona-Pandemie ausschließlich im Homeoffice tätig war. Vor der Pandemie betrug der Anteil von Arbeitnehmern*innen im Homeoffice lediglich vier Prozent, bevor die Zahl, im Zuge des ersten Lockdowns im April 2020, auf 27 Prozent anstieg. Im Juni 2020 waren es dann allerdings nur noch 16 Prozent der Beschäftigten, die von Zuhause aus arbeiten. Diese 16 Prozent verringerten sich in den Folgemonaten bis zum November 2020 auf 14 Prozent, obwohl im November des letzten Jahres die Unternehmen angehalten waren ihre Mitarbeiter*innen im Homeoffice arbeiten zu lassen.

Erst im Januar 2021 war der Prozentsatz der Beschäftigten im Homeoffice wieder auf 24 Prozent angestiegen. Im Juli 2021 betrug der Prozentsatz schließlich nur noch 15 Prozent. Die Studie machte deutlich, dass viele Beschäftigte zur Präsenzarbeit im Büro angehalten wurden. Dies geschah, obwohl ihre Jobs auch für das Homeoffice geeignet gewesen wären.

Quelle: Wirtschafts- und sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung

Studie über Rahmenbedingungen für eine gelungene Arbeit im Homeoffice

Bei der zweiten Studie wurden Arbeitnehmer*innen, die zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten, zu den Rahmenbedingungen für eine gute und gelungene Arbeit von Zuhause aus befragt. Die Forscher*innen konnten daraus folgende Aspekte, die für die Arbeit im Homeoffice entscheidend sind, ableiten: klare Regeln (bestenfalls in Form von Betriebsvereinbarungen), die Einhaltung von Pausen und Höchstarbeitszeiten, Homeoffice auf freiwilliger Basis, klare Beurteilungskriterien, Unterstützung durch die Führungskräfte, Angebot von Weiterbildungen und Kinderbetreuungsplätze.

Studie über den Einfluss des Betriebsrats

In einer weiteren Studie wurden Arbeitnehmer*innen zu ihren positiven Erfahrungen mit ihrem Betrieb und der Homeoffice-Arbeit befragt. Dabei wurde festgestellt, dass 86 Prozent der Arbeitnehmer*innen von Betrieben mit Betriebsrat positive Erfahrungen mit dem Arbeitskonzept des Homeoffices gemacht haben. Im Durchschnitt aller Arbeitnehmer*innen liegt die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen bei 77 Prozent. Daraus lässt sich schließen, dass die Arbeitnehmer*innen mitbestimmter Betriebe, also Betrieben mit Betriebsrat, zufriedener in ihrer Homeoffice-Arbeit sind.

Studien zur Auswirkung des Homeoffices auf Beschäftigte

Studie im Hinblick auf die Sorgearbeit

Eine Studie bezüglich der Auswirkungen auf Beschäftigte im Homeoffice zeigt, dass diese mehr Zeit für Sorgearbeit aufbringen. Dabei betrifft dies eher die Frauen als die Männer im Homeoffice. Insofern bringen Frauen im Schnitt fast zwei Stunden pro Woche mehr Zeit für Sorgearbeit auf. Männer hingegen investieren nur knapp eine halbe Stunde mehr pro Woche in Sorgearbeit. Die Studie zeigt also, dass es eine gerechte Aufteilung im Hinblick auf die Sorgearbeit bei Arbeitnehmern*innen im Homeoffice benötigt.

Quelle: Wirtschafts- und sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung

Studie zur Vereinbarkeit von Beruf- und Familie

Gerade die Kombination von Familien- und Berufsalltag ist im Homeoffice ein immer wieder präsentes Thema. Oftmals werden Arbeitnehmer*innen immer wieder in diesem Bereich vor Herausforderungen gestellt. Bei einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung wurden Arbeitnehmer*innen zu der Arbeit im Homeoffice in Kombination mit dem Familienalltag befragt. Im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie- und Berufsalltag gaben 77 Prozent der Befragten an, dass Homeoffice die Vereinbarkeit von beiden Bereichen vereinfache. Ca. 60 Prozent gaben außerdem an, dass sie glauben, die Arbeit Zuhause sogar besser organisieren zu können. Jedoch haben auch 60 Prozent der Befragten das Empfinden, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit im Homeoffice verschwimme.

Hinzu kommt, dass Mütter im Homeoffice pro Woche ca. drei Stunden mehr Zeit in die Betreuung des Nachwuchses investieren als Mütter, die nicht im Homeoffice arbeiten. Bei Vätern im Homeoffice ist es etwas anders. Diese nehmen sich nicht unbedingt mehr Zeit für die Kinder, sondern investieren die Zeit eher in Überstunden.

Studie zu Überstunden im Homeoffice

Eine weitere Studie in diesem Zusammenhang zeigt auf, dass Arbeitnehmer*innen im Homeoffice mit flexiblen Arbeitszeiten abends schlechter abschalten können und eher dazu neigen, Überstunden, statt Feierabend zu machen. Somit liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter*innen im Homeoffice Überstunden machen bei 45 Prozent, während die Wahrscheinlichkeit bei Beschäftigte, die nicht von Zuhause arbeiten, bei knapp der Hälfte liegt. Deswegen belegt diese Studie, dass Arbeitnehmer*innen im Homeoffice oft abends nicht abschalten können und deswegen weiterarbeiten.

Quelle: IZA, Kurzexpertise im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: Verbreitung und Auswirkungen von mobiler Arbeit und Homeoffice

Studien zum Best Practice im Homeoffice

Studie zur Notwendigkeit von vertraglichen Regelungen

Müssen Arbeitsverträge angepasst werden, wenn die Arbeit plötzlich ins Homeoffice verlagert wird? Die Antwort ist nein, allerdings hat eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung sich genau mit dieser Frage beschäftigt. Das Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigte ausschließlich positive Erfahrungen mit dem Homeoffice machen, liegt mit vertraglichen Regelungen bei 46 Prozent. Bei Beschäftigten ohne vertragliche Regelungen liegt die Wahrscheinlichkeit allerdings nur bei 32 Prozent.

Studien zur Zukunft des Homeoffices

Studie wie viele Arbeitnehmer*innen zukünftig im Homeoffice arbeiten möchten

Gefällt Arbeitnehmern*innen die Arbeit im Homeoffice wirklich so sehr, dass sie auch in Zukunft gerne von Zuhause arbeiten möchten? Ja, zumindest teilweise! Laut Umfrageergebnissen einer Kurzexpertise für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gaben 93 % der befragten Beschäftigten, die im Zeitraum von Juli und August 2020 im Homeoffice arbeiteten, an, auch in Zukunft die gewonnene Flexibilität des Homeoffices beizubehalten. Von den Arbeitnehmern*innen, die erstmals während der Pandemie von zu Hause aus arbeiteten, gaben 88 % an auch nach der Krise gerne im Homeoffice arbeiten zu wollen.

Quelle: IZA, Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Studie über die Gründe gegen das Homeoffice

Bei der letzten Studie, die wir vorstellen wollen, handelt es sich um eine Befragung im Hinblick auf die Gründe, die Arbeitnehmer*innen haben, um nicht im Homeoffice zu arbeiten. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist die geringste Sorge Karrierenachteile durch das Homeoffice zu bekommen. Die meisten männlichen Befragten geben mit 82 Prozent hingegen an, dass das Homeoffice für ihren Job unangemessen wäre, während der Anteil der weiblichen Befragten diesen Grund nur mit 65 Prozent angeben. Beide Geschlechter haben allerdings mit knapp 70 Prozent das Gefühl, dass der*die Arbeitgeber*in ihre Anwesenheit erwarte. Deswegen käme das Homeoffice für sie nicht in Frage. Knapp 60 Prozent der Befragten gaben an, dass eine Verlagerung in das Homeoffice technisch nicht möglich sei. Hingegen gaben bei den Männern 12 Prozent an, dass das Homeoffice möglich, aber nicht erlaubt sei. Bei den Frauen wählten 22 Prozent der Befragten diese Möglichkeit aus.

Quelle: Wirtschafts- und sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung

Fazit

Fest steht: Es gibt diverse Studien rund um das Thema Homeoffice. Außerdem ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren immer mehr Studien hinzukommen werden. Dies ist wahrscheinlich, da das Arbeitskonzept des Homeoffices den Arbeitnehmern*innen von Bürojobs zumindest teilweise noch für die Zukunft erhalten bleiben wird. Menschen, die sich für das Homeoffice und Studien rund um das Arbeitskonzept interessieren, werden also immer mehr zu diesem Thema im Internet finden können. Außerdem möchten viele Arbeitnehmer*innen gerne weiter im Homeoffice arbeiten. Aber Vorsicht: Bei Studien sollte vor allem immer auf das Institut, welches die Studie durchgeführt hat, geachtet werden. Das sollte beachtet werden, um Aussagen über die Repräsentanz und Qualität der Studienergebnisse sagen zu können.

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