Prokrastination beenden – Silent Coworking im Homeoffice

Das Heilmittel gegen Aufschieberitis (Prokrastination)


Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Dieses Sprichwort ist jedem bekannt. Vor allem solchen, die bereits des Öfteren Begegnungen mit Prokrastination gemacht haben. Manchmal kann man sich einfach nicht aufraffen diese eine Aufgabe endlich anzugehen, die man schon den ganzen Tag vor sich her schiebt. Statt endlich den Telefonhörer in die Hand zu nehmen, um das unliebsame Telefonat hinter sich zu bringen, fällt einem auf einmal auf, dass der Schreibtisch mal wieder ein wenig aufgeräumt werden könnte. Das scheint jetzt viel wichtiger! Und wenn es ordentlich ist, kann man sich ja auch viel besser konzentrieren! Oder?

Wahrscheinlich haben sich besonders einige Menschen, die im Homeoffice arbeiten, das ein oder andere Mal bei solchen Ausreden ertappt. Keine Lust auf nervige und unangenehme To-Dos zu haben, ist verständlich. Und so gut wie Jede*r hat schon einmal unliebsame Aufgaben vor sich her geschoben, um noch ein wenig länger vor ihnen verschont zu bleiben. Jedoch entwickeln immer mehr Menschen ein verfestigtes Verhalten des Aufschiebens.

Dieses Phänomen ist auch unter Prokrastination bekannt. Wenn das Aufschieben permanent wird, Deadlines und Abgaben versäumt werden, kann dies allerdings weitreichende Folgen haben, besonders im beruflichen Bereich. Den Fokus im Homeoffice lieber auf andere Sachen als auf die eigentlichen betrieblichen Aufgaben zu richten, fällt leicht. Schließlich sieht einen keiner dabei, wenn man statt E-Mails zu beantworten, endlich mal sein Postfach neu strukturiert und ordnet. Aber was wäre wenn doch? Wenn einem doch jemand im Homeoffice auf die Finger schaue, damit man ein wenig disziplinierter und gewissenhafter seinen Tätigkeiten nachginge? Die Methode des Silent Coworkings tut genau das. Hierbei verabredet man sich mit anderen Menschen zum gemeinsamen stillen Arbeits-Videochat. So ist man eher gegen Ablenkungen gefeit. Und gegen Ausreden! Im Folgenden ein wenig mehr zum Phänomen der Prokrastination und zum Silent Coworking – der Methode, die eine Möglichkeit bietet, aus dem Teufelskreis des Prokrastinierens im Homeoffice auszubrechen.

Was genau passiert bei der Prokrastination?

Das Aufschieben ist wohl der größte Feind der Effizienz beim Arbeiten. Beim Prokrastinieren schieben wir Handlungen auf, obwohl wir eigentlich wissen, dass wir sie machen sollten. Die anstehende Aufgabe wird trotz Zielsetzung immer wieder nach hinten verschoben. Dabei ist man sich durchaus bewusst, dass es eigentlich besser wäre, die Ärmel hoch zu krempeln und die anfallende To-Do-Liste abzuarbeiten. Wieso macht man es dann trotzdem nicht, obwohl man es eigentlich besser weiß?

Die Antwort ist simpel: Weil das Verschieben oder Aufschieben von Aufgaben einfacher ist, als diese tatsächlich zu erledigen. Stattdessen kommt uns dann das Erledigen von anderen Sachen viel gelegener. Man verschiebt also eine zumeist unangenehme Tätigkeit zugunsten einer angenehmen Tätigkeit oder zumindest einer, die weniger unangenehmen ist. Grundsätzlich bedeutet das nicht, dass Aufschieben per se etwas Schlechtes ist. Im Alltag ist man auch gezwungen immer wieder Entscheidungen über Erledigungen zu treffen. Dabei schieben wir eher unwichtigere Aufgaben ebenfalls nach hinten.

Und auch im Arbeitsalltag macht es durchaus Sinn, seine Aufgaben nach Prioritäten und Dringlichkeit geordnet abzuarbeiten. Doch bei der Prokrastination geht es tatsächlich um das nahezu pathologische Aufschieben, das dann letztendlich schädlich für die Arbeitseffizienz ist. Dabei hat das Prokrastinieren von Menschen eher selten etwas mit wirklicher Faulheit zu tun. Für viele Menschen ist es ein Alltagslaster, das einen davon abhält die wichtigen und dringenden Aufgaben zu erledigen, sobald es keinen Druck von außen gibt.

Gründe für Prokrastination

Oftmals steht hinter dem Prokrastinieren ein bestimmter Grund. Meistens geht es darum, etwas zu vermeiden. So schieben wir meistens die Aufgaben auf, die in uns ein Gefühl von Unlust auslösen. Wir würden es lieber vermeiden, uns mit diesen Aufgaben auseinander zusetzen. Bei solchen Aufgaben verspüren wir eine geminderte Motivation und die Aufgabe wird als unangenehm wahrgenommen. So kommt es dazu, dass wir uns mit anderen Tätigkeiten kurzfristig Ablenkung verschaffen wollen. Mit dieser kurzen Ablenkung erlangen wir schneller ein Erfolgserlebnis als mit der eigentlichen Arbeit. Prokrastinierende bewerten diese kurzfristige Belohnung höher als den zukünftigen Erfolg, der mit der eigentlichen Tätigkeit erreicht werden könnte. So werden diese kurzfristigen Ablenkungen auch als attraktiver wahrgenommen und der wichtigeren, aber unattraktiveren, Arbeit vorgezogen. Man entscheidet sich bewusst dazu nicht zu handeln, bzw. anders zu handeln.  

Prokrastination ist also eine Art Vermeidungsverhalten, das einem ein gutes Gefühl vorspielt. Das Erfolgserlebnis bleibt nämlich kurzfristig. Denn trotz eigentlich ausreichender Zeit für die Bearbeitung, bleibt dann die wichtige Aufgabe am Ende des Tages doch unvollendet. Halb so wild, mag man meinen. Schafft man es heute nicht, macht man es eben morgen. Jedoch kann mit dem immer wieder erneuten Aufschieben ein regelrechter Teufelskreis entstehen. Die unerledigten Aufgaben lösen Stress bei den Menschen aus. Wer gestresst ist, kann sich wesentlich schlechter konzentrieren, und lässt sich somit auch leichter ablenken. So sitzt man schnell in den Fängen der Prokrastination fest.

Mit dem Aufschieben von Aufgaben werden negative Emotionen ausgelöst. Neben quälenden Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen, aufgrund der unerledigten Arbeit, steigt auch der Leistungsdruck immer mehr. Auch auf dem Berg an Arbeit beginnt es sich zu häufen. Das Prokrastinieren verhindert, dass man die Ziele erreicht, die man sich eigentlich gesetzt hat. Dadurch werden Motivation und Ambitionen gedämpft. Das kann ein Gefühl des Versagens auslösen. Ganz nach dem Motto: Wenn ich das schon nicht schaffe, dann werde ich andere Herausforderungen auch nicht meistern können. Wer sich jetzt allerdings ertappt und schlecht fühlen sollte, kann beruhigt werden. In einer bei Statista veröffentlichten Umfrage gaben 26% der befragten Teilnehmer*innen an, dass Aufschieben zu ihren schlechtesten Angewohnheiten gehört. Man ist mit dieser Angewohnheit also nicht allein.

Quelle: Unsplash

Wie funktioniert Silent Coworking?

Im Homeoffice fällt es manchen Menschen besonders schwer konzentriert zu arbeiten. Zu viele Verlockungen der Zerstreuung lauern daheim. Die Gefahr, dass die Disziplin im Homeoffice nachlässt, ist größer als im Büro. Der optimale Nährboden für Prokrastination. Für Personen, die sich im Homeoffice leicht ablenken lassen und zum Prokrastinieren neigen, ist das Konzept des Silent Coworking optimal. Die Idee dahinter ist simpel: man leistet zusammen Stillarbeit. Doch wie genau funktioniert das Ganze? Wer im Homeoffice Schwierigkeiten hat konsequent seinen Tätigkeiten nachzugehen oder sich ein wenig einsam beim Arbeiten fühlt, kann Gebrauch vom Silent Coworking machen. Hierbei verabredet man sich vorab mit Kollegen*innen oder aber auch mit Fremden zu einem virtuellen Treffen.

Der Videocall wird gestartet, das Mikrofon deaktiviert und dann wird gearbeitet. Gemeinsam. Und stumm. Das Konzept des Silent Coworkings ist eine Art der sozialen Kontrolle. Daher ist die Videoübertragung von besonders wichtig. Man kann sich zwar gegenseitig nicht hören, dafür aber sehen. Es wird das Gefühl vermittelt mit anderen zusammen zu arbeiten, auch wenn man rein physisch alleine am Homeoffice-Schreibtisch sitzt. Mit der Kamera können Arbeitspartner*innen kontrollieren und kontrolliert werden, ob denn auch auf der anderen Seite des Bildschirmes fleißig gearbeitet wird. Dadurch, dass man sozusagen ‚beobachtet‘ wird, ist man eher gehemmt, anderen Ablenkungen und vermeintlich wichtigeren Tätigkeiten nachzugehen.

Silent Coworking als Mittel gegen Prokrastination

Selbst wenn die Versuchung zum Prokrastinieren im Homeoffice groß ist, sorgt das Silent Coworking als eine Art selbstauferlegter Sozialkontrolle dafür, dass man endlich mal richtig etwas weg schafft und fokussiert bleibt. Denn niemand will beim Prokrastinieren beobachtet werden, während der*die Arbeitspartner*in emsig wie eine Biene ist. Auch wenn die Kontrolle nur virtuell ist, so ist sie dennoch effektiv.

Diese Art zu arbeiten erfüllt denselben Zweck, weshalb zahlreiche Studierende zum Lernen in die Bibliothek gehen. Die Lernatmosphäre in Bibliotheken ist für viele besonders konzentrationsfördernd. Man ist von anderen arbeitenden Menschen umgeben, die sich ebenfalls fokussieren und Leistungen erbringen müssen. Die persönliche Leistung der Studierenden wird dadruch angespornt, ebenso wie die Konzentration. Dieselbe Atmosphäre kann mit Hilfe von Silent Coworking auch im Homeoffice erschaffen werden. Alleine schon die Verbindlichkeit und die Verbindung sind hilfreich, um Konzentration zu fördern. Durch die Verabredung verpflichtet man sich bereits zu einem bestimmten Zeitpunkt zu arbeiten. Diese Zielsetzung ist durchaus konstruktiv.

Silent Coworking auf dem Vormarsch

Inzwischen gibt es auch verschiedene Plattformen und Apps für Silent Coworking, die Menschen zum gemeinsamen stillen Arbeiten miteinander verbindet. Dort kann man sich für ein Zeitfenster registrieren und bekommt einen*eine Konzentrationspartner*in zugeteilt. Im nächsten Schritt werden die jeweiligen Ziele für diese Zeit festgelegt und dem*der Partner*in mitgeteilt. Während der Stillarbeit kontrolliert man sich gegenseitig. Nach Ablauf der Zeit erstattet man sich Bericht, wie es gelaufen ist. Dem Gegenüber mitteilen zu können, dass man sein gesetztes Ziel und seine To-Dos gemeistert hat, ist ein weiterer Ansporn sich noch mehr anzustrengen.

Aber auch in den sozialen Medien ist die Arbeitsmethode Silent Coworking bereits angekommen. Links zu Zoom-Räumen werden in zahlreichen Facebook-Gruppen geteilt, um sich virtuell zu verabreden. Das Konzept geht nämlich auch mit mehreren stillen Coworkern*innen geht auf. Auch auf der bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr beliebten App TikTok finden sich zahlreiche Live-Videos zum gemeinsamen stillen Lernen. Ein*e User*in startet ein Video und lädt andere dazu ein mit ihm*ihr gemeinsam in Stille zu lernen.

Apps und Webseiten für Anti-Prokrastination und Silent Coworking:

  • Focusmate
    Pionier der Silent Coworking-Apps
    Ermöglicht 50-minütige Videocalls
    „Check-out“- Funktion mit Kontrolle über das geleistete Arbeitspensum
    Kostenfrei für 3 Sitzungen pro Woche
  • Productivity Challenge Timer
    Timer-App nach Pomodoro-Technik
    Erstellen eigener Projekte und Festlegen von Arbeits- und Pausenzeiten
    Nachvollziehen der Arbeitsgewohnheiten
    Kostenlos für Android und iOS
  • My Focus Space
    Vermittlung eines*r Arbeitspartners*in, wie bei Focusmate
    Gemeinsam nutzbarer Kalender mit anderen Teilnehmern*innen
    Kostenfrei für 10 Sitzungen im Monat a 1 Stunde

Zusammenfassend

Es gibt schon einige begeisterte Nutzer der Arbeitsmethode Silent Coworking. Für viele funktioniert das Konzept der virtuellen gemeinsamen Stillarbeit effektiv, um Prokrastination im Homeoffice erfolgreich entgegen zu wirken. Wem es an Selbstdisziplin mangelt, dem kann ein virtueller Co-Working-Space genau das geben, was benötigt wird: Selbstauferlegte Kontrolle über eine Videoverbindung, die dafür sorgt, dass man sich die Arbeitseffizienz zurück ins Homeoffice holt.

Um herauszufinden, ob es für einen das Richtige ist, hilft nur eins: Kamera an, Mikrofon aus und es selber ausprobieren!

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