Homeoffice Regeln 2021 – Die wichtigsten Regeln, Rechte und Tipps

Rahmenbedingungen vom Homeoffice sollten klar sein

Gerade weil das Homeoffice im letzten Jahr zu einer beliebten Arbeitsform geworden ist, ist es für Arbeitnehmer*innen besonders wichtig ihre Rechte und Verpflichtungen zu kennen. Deswegen erklären wir kurz und prägnant die wichtigsten Regeln, Rechte und Pflichten für die Arbeit der Beschäftigten im Homeoffice.

Homeoffice Regeln
Quelle: Unsplash

Kein gesetzlicher Anspruch auf die Arbeit im Homeoffice

Anders als in anderen Ländern, wie den Niederlanden, besteht in Deutschland kein gesetzlicher Anspruch auf die Arbeit im Homeoffice. Das heißt für Arbeitnehmer*innen, dass das Unternehmen dem Wunsch nach der Arbeit im Homeoffice nicht nachkommen muss und das Recht hat, die Arbeit der Arbeitnehmer*innen jeder Zeit wieder in das Büro zu verlegen. Somit sind Arbeitgeber*innen in ihrer Organisation frei zu entscheiden, wo und wie ihre Beschäftigten die ihnen übertragenen Aufgaben erledigen.

Schriftliche Vereinbarung über die Arbeit im Homeoffice

Für die Arbeit im Homeoffice sind schriftliche Vereinbarungen mit dem*r Arbeitgeber*in prinzipiell nicht notwendig. Trotzdem kann es für beide Seiten sinnvoll sein, ein paar Änderungen am Arbeitsvertrag vorzunehmen, damit die Rechte und Pflichten beider Parteien genau festgelegt sind und keine Fragen auf beiden Seiten über die Arbeit im Homeoffice aufkommen. So könnten folgende Fragen in einem für das Homeoffice modernisierten Arbeitsvertrag geklärt werden: Welche Arbeitsmittel werden vom Unternehmen gestellt und dürfen diese auch privat gebraucht werden? Welche Kosten werden erstattet? Wie sollen Daten gespeichert werden? Weichen die Arbeitszeiten im Homeoffice von den normalen Arbeitszeiten im Büro ab? In welcher Form gilt der Datenschutz im Homeoffice?

Arbeitnehmer*innen sollen sich also für ihre Arbeit im Homeoffice merken, dass schriftliche Vereinbarungen gesetzlich nicht notwendig sind. Trotzdem machen diese Sinn, um ihre Rechte und Pflichten sowie die des Unternehmens festzulegen.

Arbeitszeiten im Homeoffice

Im Homeoffice gelten die gleichen Regeln wie im Büro. Dazu gehören die normalen Arbeitszeiten, sowie auch die Pausenzeiten. In diesem Zusammenhang haben Unternehmen auch das Recht die Arbeitszeiten ihre Mitarbeiter*innen zu überprüfen. Dies kann beispielsweise mithilfe von Zeiterfassungsgeräten geschehen. Außerdem gehört es zu den Pflichten der Arbeitnehmer*innen während der Arbeitszeiten erreichbar zu sein. Ob diese Erreichbarkeit telefonisch oder durch E-Mails gewährleistet ist, muss individuell mit den Unternehmen abgesprochen werden. Abgesehen von den Arbeitszeiten besteht diese Erreichbarkeitspflicht natürlich nicht.

Was die Arbeits- und Pausenzeiten der Arbeitnehmer*innen im Homeoffice betrifft, sollten sich diese also merken, dass die normalen Zeiten auch für die Arbeit von Zuhause gelten und es zu ihren Pflichten gehört, während ihrer Arbeitszeit im Homeoffice erreichbar zu sein.

Keine angekündigten Kontrollbesuche der Arbeitgeber*innen

Wie schon gesagt, hat der*die Arbeitgeber*in das Recht die Arbeitszeiten der eigenen Beschäftigten zu überprüfen. Dies darf allerdings nicht in Form von unangekündigten, persönlichen Besuchen geschehen. Dies geht auf das Gesetz der Unverletzlichkeit der Wohnung gemäß Artikel 13 im Grundgesetz zurück. Sollte der*die Arbeitgeber*in also einen Besuch des Arbeitsplatzes im Homeoffice anstreben, muss dieser Besuch auch immer mit dem*der betreffenden Mitarbeiter*in abgesprochen sein. Gegebenenfalls macht es auch hier für dich Sinn diese Angelegenheit vertraglich mit dem*der Arbeitgeber*in zu regeln. Beschäftigte sollten aber immer im Hinterkopf behalten, dass sie den Besuchen ihres*r Arbeitgebers*in nicht zustimmen müssen. Ihnen bleibt also das Recht vorbehalten diese Besuche abzulehnen.

Sorgfältige Bearbeitungen der Aufgaben

Dieser Aspekt sollte für Arbeitnehmer*innen relativ selbstverständlich sein, aber trotzdem sei nochmal darauf hingewiesen: auch im Homeoffice haben sie die Pflicht, die ihnen vom Unternehmen übertragenen Aufgaben sorgfältig zu bearbeiten.

Sie sollten sich bewusst sein, dass es weitreichende Folgen haben kann, wenn sie dieser Pflicht nicht nachkommen. Um die gemäße Bearbeitung dieser Aufgaben im Homeoffice zu gewährleisten, sollten Arbeitnehmer*innen für eine gute Arbeitsatmosphäre in ihrem Arbeitsbereich sorgen. Hilfreiche Tipps und Tricks haben wir dafür auch auf unserer Seite zusammengetragen.

Übernahme der Kosten

Die Kosten für die Arbeitsmittel muss die Firma bezahlen. Dazu ist sie verpflichtet, falls nichts Gegenteiliges im Arbeitsvertrag festgehalten wurde. Sollte das Unternehmen den Mitarbeitern*innen also keine Arbeitsmittel für ihre Arbeit im Homeoffice zur Verfügung gestellt haben, haben diese einen Anspruch auf Erstattungskosten. An dieser Stelle sollten die Arbeitnehmer*innen allerdings auch berücksichtigen, dass die private Nutzung der ihnen zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel damit erstmal untersagt ist. Es sei denn zwischen ihnen und ihrem*r Arbeitgeber*in ist es zu einer anderen Übereinkunft gekommen.

Mietrecht im Homeoffice

Normalerweise ist es üblich, dass der*die Vermieter*in darüber in Kenntnis gesetzt werden muss, wenn in dessen*deren Mietobjekt einer gewerblichen Tätigkeit nachgegangen wird. Im Homeoffice entfällt diese Mitteilungspflicht allerdings. Für Beschäftigte bedeutet das, dass diese ihren*r Vermieter*in über ihre Arbeit im Homeoffice nicht informieren müssen. Daher muss dieser in diesem Zusammenhang auch keine Zustimmung erteilen. Arbeitnehmer*innen können also wie gewohnt ihrer Arbeit im Homeoffice nachgehen, ohne mit Konsequenzen ihres*r Vermieters*in rechnen zu müssen.

Datenschutz im Homeoffice

Grundsätzlich hat der*die Arbeitgeber*in zu gewährleisten, dass auch im Homeoffice die Datenschutzbestimmungen eingehalten werden. Um dies also im Homeoffice umzusetzen, ist das Unternehmen dazu verpflichtet technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen, um die Datensicherheit der Mitarbeiter*innen zu garantieren. Das bedeutet gleichzeitig aber auch für die Arbeitnehmer*innen, dass diese Maßnahmen auch einzuhalten und sie zur Umsetzung dieser in dem persönlichen Arbeitsbereich im Homeoffice verpflichtet sind. So stehen Beschäftigte bei der Arbeit im Homeoffice in der Pflicht unbefugten Personen den Zugriff auf ihre personenbezogenen Daten zu verwehren. Dies kann in Form von Passwörtern auf den technischen Arbeitsgeräten oder einem abgeschlossenen Raum geschehen.

Steuern im Homeoffice

Einen Vorteil hat die Arbeit im Homeoffice für Arbeitnehmer*innen: die für das Homeoffice angewandten Kosten sind steuerlich in der Einkommenserklärung absetzbar. Dazu gehören auch von dem*der Arbeitgeber*in nicht erstattete Kosten für das Arbeitszimmer der Arbeitnehmer*innen im Homeoffice. Einige Berufstätige können auch von der Homeoffice-Pauschale profitieren. Die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme dieser Pauschale sind in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 4 des Einkommensteuergesetzes (EStG) geregelt. Hier können Arbeitnehmer*innen im Homeoffice trotz fehlendem Arbeitszimmer Kosten sparen. Wer nicht von der Abzugsfähigkeit eines häuslichen Arbeitszimmers Gebrauch machen kann, kann über die Homeoffice-Pauschale profitieren.

Was tun bei einem Arbeitsunfall im Homeoffice?

Allgemein haben Arbeitnehmer*innen, obwohl diese ihre gewerbliche Tätigkeit im Homeoffice ausüben, bei einem Arbeitsunfall einen Anspruch auf die gesetzliche Krankenversicherung. Hierbei sollten diese allerdings im Kopf behalten, dass die Abgrenzung zwischen beruflicher und privater Tätigkeit bei der Arbeit im Homeoffice nicht immer einfach zu treffen ist. Ein Beispiel: Du kochst dir einen Kaffee und verbrennst dir dabei deine Hand. Bei diesem Beispiel hast du keinen Anspruch auf die gesetzliche Krankenversicherung. Warum? Weil Kaffeekochen als private Tätigkeit gilt. Fällst du allerdings auf dem Weg zu deinem Arbeitscomputer hin und brichst dir das Bein, hast du wiederum einen Anspruch auf die gesetzliche Krankenversicherung, weil du deiner beruflichen Tätigkeit nachgehen wolltest. Arbeitnehmer*innen müssen in diesem Zusammenhang also immer genau differenzieren, ob sie einer beruflichen oder privaten Tätigkeit nachgehen wollten, als sie sich ihre Verletzung zugezogen haben. Aber generell bleibt auch im Homeoffice der Anspruch der Arbeitnehmer*innen auf eine gesetzliche Krankenversicherung bestehen.

Fazit

Für das Arbeiten im Homeoffice gelten also auch die allgemeinen Bestimmungen des Arbeitsvertrages, außer es ist etwas anderes zwischen Arbeitnehmer*in und Arbeitgeber*in vereinbart worden. Obwohl sich das Arbeitsumfeld verändert, haben Mitarbeiter*innen dennoch sehr ähnliche Rechte und Pflichten wie bei der Präsenzarbeit im Büro.

Rechtsanwalt Jannis Kamann

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Dr. Jannis Kamann – Fachanwalt für Arbeitsrecht

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