“Homeoffice in der Corona-Krise” – Erkenntnisse aus der Studie der Uni Konstanz

Homeoffice als wissenschaftliches Thema

Homeoffice ist das Trendthema der letzten Jahre. Schon vor der Pandemie war das ortsunabhängige Arbeiten ein großes Thema. Durch die zunehmende Digitalisierung wurde das Arbeitsleben revolutioniert. Viele Prozesse, die früher schwergängig waren, gehen dank Computern und dem Internet nun ganz schnell.

Auch die Wissenschaft hat Kenntnis genommen. Im Folgenden werden wir als Redaktion eine Studie der Uni Konstanz zusammenfassen und die wichtigsten Erkenntnisse wiedergeben.

Titel der Studie: “Homeoffice in der Corona-Krise – eine nachhaltige Transformation der Arbeitswelt? (Juli 2020)”

Einleitung/Abstract

In dieser Studie stellen sich die Autoren Florian Kunze, Killian Hampel und Sophia Zimmermann die Frage, welche nachhaltigen Veränderungen das Homeoffice während der noch andauernden Corona-Pandemie für die Arbeitswelt geschaffen hat. Diese Studie erschien im Juli 2020, ein paar Monate nach Beginn der Pandemie.

Rund 700 Beschäftigte wurden in der Studie zu ihren Erfahrungen im Homeoffice befragt. Dabei fanden die Datenerhebungen an neun Zeitpunkten statt.

Das Ergebnis in Kurzform: Der große Teil der Befragten ist mit dem Homeoffice zufrieden. Sie fühlen sich produktiver, sind engagierter und wünschen sich, zumindest teilweise weiter im Homeoffice zu arbeiten. Jedoch ist zu erkennen, dass Homeoffice zu Mehrarbeit verleitet und somit auch zu einer größeren Erschöpfung der Arbeitnehmer*innen.

Anzahl Arbeitnehmer*innen im Homeoffice ist enorm gestiegen

Es ist zu erkennen, dass der Anteil an Arbeitnehmer*innen, die im Mai 2020 im Homeoffice arbeiteten, im Vergleich zu Umfragen von 2016 stark angestiegen ist. Während im Jahr 2016 nur 12,5 Prozent der Beschäftigten in Deutschland im Homeoffice gearbeitet haben, ist diese Zahl im Mai 2020 auf etwa 35 Prozent gesprungen, also fast verdreifacht (Quelle: DIW Berlin).

Man kann davon ausgehen, dass die Pandemie der Hauptgrund dieser Steigerung gewesen war. Dies wird auch durch die Angaben der Studienteilnehmer der Autoren bestätigt. 60 Prozent von den 700 Teilnehmern gaben an, vor der Pandemie ausschließlich in Präsenz gearbeitet zu haben.

Zufriedenheit der Befragten mit dem mobilen Arbeiten

Laut der Studie sind die meisten Teilnehmer*innen zufrieden mit Homeoffice. Ein großer Teil, wie auch die folgende Abbildung zeigt, möchte auch nach der Pandemie weiter im Homeoffice arbeiten. 25 Prozent der Befragten zieht sogar eine Arbeit aus dem Homeoffice an jedem Arbeitstag vor. Nur 8 Prozent möchte nur im Büro arbeiten.

Quelle: Paper

Welche Gründe gibt es für die Präferenz zum Homeoffice?

Die Datenlage aus der Studie zeigt eine klare Präferenz für das mobile Arbeiten. Doch woher kommt diese Vorliebe zum Homeoffice? Die Wissenschaftler haben eine mögliche Erklärung:

Laut den eigenen Angaben der Befragten fühlen sie sich im Homeoffice motivierter und auch leistungsfähiger als im Büro.

Quelle: Paper

Diese Eigeneinschätzung bleibt auch konstant über die Befragungszeiträume und sind 15 Prozent höher als in einer vergleichbaren Studie aus dem Jahr 2015, wo fast alle Studienteilnehmer in Präsenz gearbeitet haben.

Ein weiterer Aspekt, welcher für das Homeoffice spricht, ist laut den Befragten die Flexibilität. Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer sind der Meinung, dass das Homeoffice eine gute Möglichkeit für die Vereinbarung des Arbeits- und Privatlebens ist.

Die Schattenseiten der mobilen Arbeit

Zu den positiven Aspekten gesellen sich auch negative Folgen der mobilen Arbeit. Hier sind Einsamkeit und Emotionale Erschöpfung zu nennen. Im Schnitt fühlen sich ca. 20 Prozent der Befragten über die Befragungszeiträume einsam und sozial isoliert. Hierbei ist aber auch zu beachten, dass die Befragungen während der Pandemie stattgefunden hat und während einem Zeitraum, in der die soziale Isolation durch Kontaktsperren verstärkt wurde.

Quelle: Paper

Ein Grund für die Emotionale Erschöpfung könnte die freiwillige Überarbeit sein, zu der es oftmals im Homeoffice kommt. In der Tat berichten am letzten Messzeitpunkt 56 Prozent der Befragten, dass sie im Homeoffice länger als vertraglich arbeiten.

Rahmenbedingungen für die Arbeit im Homeoffice

Nach den Ergebnissen der Studie zu urteilen gibt es noch Verbesserungsbedarf, was die betriebliche und politische Unterstützung für die Arbeit im Homeoffice betrifft. Nur 45 Prozent der Teilnehmer geben an, dass ihr Betrieb sie auch für die Homeoffice Arbeit nach der Pandemie unterstützt. Mehr Unterstützung hierbei wünschen sich 57 Prozent der Befragten von den Führungskräften. Laut den Befragten gibt es auch in Punkto Technischer Ausstattung Nachholbedarf: 55 Prozent möchte mehr Unterstützung durch die IT-Abteilung des Betriebes und 60 Prozent bemängelt die Ausstattung, die sie von ihrem Unternehmen gestellt bekommen.

Im Folgenden Schaubild wird noch einmal verdeutlicht, in welchen Bereichen Arbeitnehmer*innen sich Unterstützung wünschen:

Quelle: Paper

Verbesserungsvorschläge

Um die Arbeitsbedingungen für Homeoffice zu verbessern, haben die Autoren einige Vorschläge an Betriebe, Arbeitnehmer*innenvertretungen und die Politik herausgearbeitet.

Betriebe

Betriebe sollten individuelle Homeoffice-Regelungen anbieten, da dies die Attraktivität von Arbeitgeber*innen in den Augen der Mitarbeiter*innen erhöht. Ferner müssen Angestellte mit der nötigen Ausstattung versorgt werden, was die Hardware und IT-Infrastruktur angeht. Die Autoren sehen die Führungskräfte ebenfalls in der Pflicht, um die Rahmenbedingungen im Homeoffice zu verbessern. Sie sollen ihre Angestellten im Homeoffice führen können und eine gute Teamarbeit ermöglichen.

Arbeitnehmer*innenvertretungen

Betriebs- und Personalräte sollen sich verstärkt für das Homeoffice einsetzen, so der Vorschlag der Autoren. In diesen Konzepten sollte die Gesundheit der Angestellten im Fokus stehen, um negative Folgen wie soziale Isolation und Überarbeit zu vermeiden. Schulungen und Weiterbildungen für Angestellte und Führungskräfte bilden hierfür eine gute Grundlage. Insbesondere für die klare Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit sollten klare Konzepte geschaffen werden.

Um eine ungleiche Behandlung von Angestellten zu vermeiden, muss ein zentrales Konzept für Unternehmen entworfen werden, welches jedem Mitglied der Organisation die Arbeit aus dem Homeoffice ermöglicht.

Für die Vermeidung von Bürokratisierung empfehlen die Autoren einen breiteren Rahmen für Homeoffice-Regelungen. Damit können Arbeitgeber*innen sich besser an individuelle Bedürfnisse von Führungskräften und Mitarbeitende anpassen.

Politik

Die Autoren sehen die Politik vor allem in den Aufgaben, die digitale Infrastruktur deutlich zu verbessern und die rechtlichen Fragen zu Homeoffice zu klären.

Fazit

Anhand der Studie ist erkennbar, dass Homeoffice ein wichtiger Faktor für Arbeitnehmer*innen geworden ist. Der große Teil der Befragten ist sehr zufrieden, dennoch gibt es in einigen Bereichen wie beispielsweise der IT-Infrastruktur Nachholbedarf. Ebenso ist der Aspekt der sozialen Isolation und Einsamkeit nicht außer Acht zu lassen.

Die Studie in der Vollversion findet ihr unter folgendem Link:
Homeoffice in der Corona-Krise – eine nachhaltige Transformationder Arbeitswelt?

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