Effizientes Arbeiten durch Selbstmotivation – Claudia Kauscheder

Experteninterview: Claudia Kauscheder zum Thema Selbstmotivation im Homeoffice und wie es sich motivierter daheim arbeiten lässt.

Im Homeoffice stets motiviert zu bleiben, ist manchmal gar nicht so einfach. Zu viele Ablenkungen und Störfaktoren lauern in den eigenen vier Wänden, die die Motivation bei der Arbeit dämpfen können. Claudia Kauscheder bietet auf ihrer Website „Abenteuer Homeoffice“ Schulungen für das selbstständige Arbeiten von Beschäftigten im Homeoffice und den daraus resultierenden Tools an. Im Interview hat sie unsere Fragen zum Thema Selbstmotivation im Homeoffice beantwortet.

JustHomeoffice: Frau Kauscheder, weshalb ist Motivation bei der Arbeit gerade im Homeoffice besonders wichtig?

Claudia Kauscheder: Ich denke, man kann es kurz so zusammenfassen: Im Homeoffice hast du die Wahl. Du kannst dich an deinen Schreibtisch setzen, oder eben auch vorher und zwischendurch viele andere Aufgaben, z.B. für deinen Haushalt oder deine Familie erledigen. Diese Ablenkungen gibt es im Büro nicht (ja, dafür gibt es andere, die sind aber meistens mehr im Kontext der Arbeit). Außerdem fehlt die indirekte “Kontrolle” durch das Team, die durchaus motivierend sein kann.

Wie kann man sich morgens am besten auf den Arbeitstag vorbereiten und motivieren?

Meinen KundInnen, die hauptsächlich selbstständig sind, empfehle ich, entweder am Abend vorher oder als Morgen-Routine ihren Tag zu überprüfen, ob die bestehende Wochenplanung noch passt. Manche Homeworker motivieren sich dadurch, dass sie als erste Aufgabe diejenige machen, die am unangenehmsten, schon lange aufgeschoben oder am wichtigsten ist. Ich persönlich hole lieber mit Routine-Aufgaben Schwung. Das fällt leicht, ist keine große Überwindung und damit startest du in den “Arbeits-Modus”. Meistens ist nämlich das “Anfangen” das Schwierigste an der Arbeit im Homeoffice.

Wie kann man selber seine eigene Motivation während des Arbeitstages beeinflussen?

Das ist natürlich sehr Typabhängig. Manche HomeworkerInnen motiviert, dass sie Aufgaben abhaken können, andere motivieren sich durch ein Belohnungssystem. Meiner Meinung nach ist die unabhängigste Motivation die, die an die  Befriedigung, etwas erledigt oder eine gewisse Zeit einer Aufgabe gewidmet zu haben, gekoppelt ist. In der Selbstständigkeit hat man natürlich eine andere Zielsetzung, warum man etwas erledigt, als in der Anstellung. Aber diese Befriedigung ist der gemeinsame Nenner.

Inwiefern kann eine Tagesstruktur die Motivation im Homeoffice anregen?

Eines der großen Probleme im Homeoffice ist es, dass das Gefühl “ich bin fertig” selten aufkommt. Man muss ja nicht nach Hause, einen bestimmten Zug erwischen, und Ähnliches. Dadurch verschwinden die Grenzen. Wenn aber dieses “ich bin fertig” durch eine Tagesstruktur festgelegt wird, dann steigt die Zufriedenheit bei der Arbeit im Homeoffice um ein Vielfaches.

Was sind die größten Produktivitäts- und Motivationsbremsen im Homeoffice?

  • Ablenkungen aller Art
  • Kein Überblick über die anstehenden Aufgaben
  • Das Umfeld (sowohl Arbeitgeber als auch Familie), das die Arbeit im Homeoffice oft nicht gleichwertig sieht wie die Arbeit in einem externen Büro. 

Was sind nützliche Hilfsmittel für einen gut organisierten Arbeitsalltag?

Egal, welche Tools verwendet werden, das beste Hilfsmittel ist in meinen Augen eine strukturierte, regelmäßige Wochenplanung (inklusive Rückblick auf die Vorwoche!) und eine ToDo-Listen-Struktur, die dabei hilft, Prioritäten richtig zu setzen. Ich arbeite z.B. am liebsten mit der 1-Minuten ToDo-Liste nach Linenberger, weil sie nicht mit Fälligkeitsdatum, sondern mit einem Zeithorizont arbeitet. Das senkt den Druck und macht flexibler. Wenn ich denn ein Tool nennen muss, dann würde ich Trello nennen. Sowohl für die Wochenplanung, als auch für die ToDo-Liste (und noch vieles Anderes).

Was sind die größten Fehler, die man als Arbeitnehmer im Homeoffice machen kann?

Aus Erfahrung würde ich sagen, dass einer der größten Fehler darin besteht, sich unstrukturiert durch den Tag treiben zu lassen und nur zu reagieren statt zu agieren.  Ein zweiter Fehler ist es,  keinen Anfang und kein Ende zu finden. Das hat natürlich auch mit der Tagesstruktur zu tun, spielt sich aber auch sehr viel im Kopf und im Mindset ab.

Gibt es ein Patentrezept für konzentriertes Arbeiten im Homeoffice?

In einer perfekten Welt gäbe es dieses Patentrezept, in der realen Welt muss jede/r ausprobieren, was zur eigenen Person, Familie, Örtlichkeit und natürlich zur Aufgabenstellung an sich passt.

Was können Führungskräfte für ihre Mitarbeiter tun, um sie bei der Arbeit im Homeoffice zu unterstützen und zu motivieren?

Ich selbst war fast 25 Jahre als angestellte Programmiererin hauptsächlich im Homeoffice tätig (inzwischen bin ich nur noch selbstständig) und die beste Motivation war die Verantwortung, die mir übertragen wurde (im wichtigen Gegensatz dazu, nur Aufgaben zu erledigen, die delegiert wurden) und das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. So könnte man es in meinen Augen am besten zusammenfassen: Verantwortung übergeben – Vertrauen entgegenbringen und zuletzt nicht zu vergessen: ansprechbar für die Angestellten im Homeoffice bleiben!

Was sind Ihre persönlichen Tipps und Tricks für eine bessere Selbstmotivation im Homeoffice?

Neben den Tipps, die in den bisherigen Antworten bereits enthalten sind: Als Motivations-Booster  sehe ich bei mir und meinen KundInnen immer wieder, dass sie sich täglich bewusst machen, WARUM sie das, was Priorität hat, erledigen.

Claudia Kauscheder

Homepage Abenteuer Homeoffice

Inhaberin und Betreiberin
Expertin für Homeoffice & Motivation
www.abenteuerhomeoffice.at

Leave a Comment