Experteninterview: Gemeinsam mit David Wiechmann vom Deutschen Netzwerk Büro gehen wir der Frage nach, wie sich die Arbeitswelt im Bezug auf das Homeoffice nachhaltig verändern wird, insbesondere was die Arbeitsqualität und die Gesundheit von Angestellten angeht.

David Wiechmann ist ehrenamtlicher Vorsitzender des Deutschen Netzwerk Büro e.V., eines Partnernetzwerks der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des Bundesarbeitsministeriums.

JustHomeoffice: Das DNB ist Teil der Initiative Neue Qualität der Arbeit des Bundesministeriums, welches u.a das Ziel hat, mehr Arbeitsqualität zu schaffen. Führt der der Megatrend Homeoffice automatisch zu mehr Arbeitsqualität?

David Wiechmann: Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Jeder Beschäftigte findet in seinem Homeoffice unterschiedliche Verhältnisse vor. Ich spreche hier nicht nur von ergonomischen Arbeitsmitteln, sondern auch von möglichen Ablenkungen durch Familienmitglieder. Das kann auch zu Stress führen. Im Großen und Ganzen kann man jedoch sagen, dass mehr Homeoffice bzw. mehr mobile Arbeit zu Hause und an anderen Orten die Vereinbarkeit von Freizeit, Familie und Beruf erhöhen kann. Ganz zu schweigen von den positiven Auswirkungen auf Klima und Umwelt, die eine Umwidmung von bewirtschafteten Büroflächen und eine Reduzierung des Pendelverkehrs mit sich bringt. 

Sie veröffentlichen regelmäßig die Publikation „Gute Büroarbeit“, einem Leitfaden für Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen. Inwiefern kann dieser Leitfaden zu einer verbesserten Arbeitsqualität im Homeoffice beitragen?

Der Check „Gute Büroarbeit“ ist Selbsttest, der mehrere Aspekte der Büroarbeit umfasst. Hier geht es um Führung und Kultur, Personalentwicklung und Organisation, Information und Kommunikation, die IT-Infrastruktur, die physische Arbeitsumgebung und die Arbeitsmittel sowie um Innovation und Prozesse. Wir haben in unserer jüngsten Überarbeitung auch das Homeoffice explizit erwähnt, da viele dieser Aspekte sowohl im Büro als auch am häuslichen Arbeitsplatz Faktoren für gute, gesunde und letztlich auch erfolgreiche Arbeit sind. 

Wie sie wissen, geht es bei unserer Plattform vorrangig um das Thema Homeoffice. Wie kann man die Arbeitsqualität (sowohl AG als auch AN) im Homeoffice verbessern? Haben Sie 3 Praxistipps für uns?

Die Arbeitsqualität im Homeoffice lässt sich vor allem durch eine ergonomische, möglichst auch gesundheitsfördernde Ausstattung erhöhen. Darüber hinaus ist der stressfreie Umgang mit den digitalen Kommunikationsplattformen wichtig – hier sind Schulungen geeignet. Im Homeoffice muss jedoch auch Risiken vorgebeugt werden: Bewegungsarmut, Ablenkung und Stress sowie die damit eventuell einhergehenden psychischen Beanspruchungen, ein gewisser Verlust der Bindung zum Team und zum Arbeitgeber. Homeoffice kann gut und nachhaltig funktionieren, wenn hier ganzheitliche Konzepte entwickelt werden. 

Ein großer Punkt des Vereins Deutsches Netzwerk Büro ist die Gesundheit, und zu einem gesunden Lebensstil gehört auch Sport. Wie kann man Mitarbeiter im Homeoffice dazu bewegen, sich körperlich mehr zu betätigen? Welche Anreize könnte man geben?

Die Bewegungsarmut ist bereits im Büro ein Problem, doch hier können gemeinschaftliche Programme oder konkrete, teilweise intuitive Bewegungsanreize zu einer Verbesserung führen. Im Homeoffice sind gefährdete Personen (nämlich diejenigen, die sich auch sonst wenig bewegen) einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Es gibt einerseits Arbeitsmittel, die hier zur Vorbeugung eingesetzt werden können, wie beispielsweise Sitz-Steh-Arbeitsplätze oder ein Fahrrad-Bürostuhl. Andererseits Softwareprogramme, die regelmäßig zu Übungspausen und Bewegung auffordern. Allerdings: Man muss es machen. Und da ist unter anderem die Sensibilität und die Multiplikatorenfähigkeit der Führungskräfte für dieses Thema gefragt. 

Wie haben sie als DNB e.V die Entwicklungen in der Arbeitswelt seit dem Beginn der Pandemie erlebt. Insbesondere unter dem Aspekt der Arbeitsqualität und der Gesundheit (Mental, psychisch und körperlich)?

Das DNB als interdisziplinäres Netzwerk hat im Verlauf der Pandemie viele Entwicklungen wahrnehmen und auch diskutieren können. Nach einer gewissen Gewöhnungsphase stieg die Zufriedenheit mit der eigenen Arbeitsqualität im Homeoffice insgesamt an, was insbesondere an dem gesteigerten Wunsch der Beschäftigten absehbar ist, auch in Zukunft mehr mobile Arbeit im Homeoffice ermöglicht zu bekommen. Gleichzeitig gab es jedoch kritische Phänomene, wie etwa „Zoom Fatigue“ oder eine zumindest gefühlte Zunahme der Nacken- und Rückenbeschwerden. Ich wiederhole mich gern: Homeoffice kann toll funktionieren, aber man darf die Beschäftigten dort nicht allein lassen.

David Wiechmann

Deutsches Netzwerk Büro

Ehrenamtlicher Vorsitzender des Deutschen Netzwerk Büro e.V. (DNB)
www.dnb-netz.de

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